Werde Stammzellspender*In

Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellspende ist. Doch jeder zehnte Patient findet keinen Spender. Blutkrebs ist der Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des Knochenmarks bzw. des blutbildenden Systems, wie zum Beispiel Leukämie. Bei diesen Krankheiten wird die normale Blutbildung durch die unkontrollierte Vermehrung von entarteten weißen Blutzellen gestört. Wegen dieser Krebszellen kann das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben nicht mehr ausführen, zum Beispiel Infektionen bekämpfen, Sauerstoff transportieren oder Blutungen stoppen. Leukämie, von denen es verschiedene Formen gibt, gehören wie weitere Erkrankungen des blutbildenden Systems (u.a. maligne Lymphome und Myelome) zu den Blutkrebsarten. Stammzelltransplantationen sind häufig die einzige Aussicht auf Heilung bei Blutkrebserkrankungen.

Bei der Blutstammzelltransplantation ist es wichtig, dass die HLA-Merkmale zwischen Spender und Patienten möglichst identisch sind. So werden Abstoßungsreaktionen vermieden. HLA steht für Humane Leukozyten-Antigene – man spricht auch umgangssprachlich von „Gewebemerkmalen“. Bei den HLA-Merkmalen handelt es sich um Strukturen auf den Oberflächen der Körperzellen, anhand derer das Immunsystem zwischen eigenem und fremden Gewebe unterscheidet.  Sie werden von den Eltern auf die Kinder vererbt. Dennoch findet nur ein Drittel der Patienten, die eine Stammzellspende benötigen, innerhalb der Familie einen geeigneten Spender. Der Großteil benötigt daher einen nicht verwandten, fremden Spender. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender außerhalb der Familie zu finden sehr gering. Die Kombinationsmöglichkeit der HLA-Merkmale, von denen es mehr als 10.000 Ausprägungen gibt, sind sehr groß.

Stammzellspender*In werden ist ganz einfach: Hierzu kann man gratis ein Registrierungs-Set anfordern, dass man dann per Post erhält. Mit dem beiliegenden Wattestäbchen macht man einen Wangenabstrich. Die Wattestäbchen schickt man dann zusammen mit den unterschriebenen Unterlagen zurück. Im Anschluss bestimmt das DKMS-Labor die Gewebemerkmale, denn anhand dieser kann ermittelt werden, ob man der passende Spender für einen Blutkrebspatienten ist, und nimmt die Daten in eine weltweit durchsuchbare Spenderdatenbank auf.

Für den Fall, dass man als passende(r) Spender*In in Frage kommt, meldet sich die DKMS umgehend bei einem. Wobei man nicht genau sagen kann, wann, wie oft oder ob überhaupt man für eine Spende von der DKMS angesprochen wird. Ich bin beispielsweise seit Jahren registriert und wurde noch nie kontaktiert. Eine Freundin von mir konnte hingegen bereits durch zwei Spenden das Leben eines Menschen retten.  Sollte man als Spender in Frage kommen, wird ein ausführlicher Gesundheits-Check-Up sowie ein Aufklärungsgespräch durch einen Arzt durchgeführt. Wichtig zu wissen ist, dass man sich zu jedem Zeitpunkt noch gegen die Spende entscheiden kann (man sollte sich dann natürlich nur den möglichen Konsequenzen für den betroffenen Patienten bewusst sein).

Im Grunde gibt zwei verschiedene Arten Stammzellen zu spenden. In den meisten Fällen (80%) werden Stammzellen über die sogenannte „periphere Stammzellspende“ der Blutbahn entnommen. Dieses Verfahren ist ähnlich einer Blutplasmaspende. Im Vorfeld wird dem Spender der Wachstumsfaktor G-CSF verabreicht und es können grippeähnliche Symptome auftreten. Langzeitnebenwirkungen sind nach dem heutigen Forschungsstand nicht bekannt. In wenigen Fällen (20%) werden die Stammzellen unter Vollnarkose direkt dem Knochenmark entnommen. Nach der Entnahme kann für wenige Tage ein lokaler Wundschmerz entstehen – ähnlich dem einer Prellung. Das Risiko der Knochenmarkentnahme ist gering. Es beschränkt sich im Wesentlichen auf das Narkoserisiko. Für mich persönlich hat die schiere Möglichkeit jemanden das Leben zu retten deutlich mehr Gewicht als die vergleichsweise geringen Risiken, die man selber eingeht.

Wie bei einer Bluttransfusion werden die Stammzellen nun transplantiert. Sie nisten sich in den Knochenhohlräumen des Patienten ein und beginnen dort im Besten Fall neue, gesunde Blutzellen zu bilden. Falls ihr euch, trotz meines Artikels, gegen eine Registrierung als Stammzellspender*In  entscheiden solltet, könnt ihr die Arbeit der DKMS dennoch finanziell unterstützen: Geldspende

Quelle: dkms.de


Weiterführende Informationen:

Dkms.de: Spender werden

Dkms.de: Häufige Fragen 

Stern.de: „Die Schatzkammer: Wo einst Gold lagerte, ruhen jetzt die Daten von Millionen Stammzellspendern“

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